Das 'normale' Leben

Durch das offene Fenster strömt frische Luft herein. Draußen ist es 2 Grad über 0. Trotzdem sind viele Fischer auf dem Eis zu sehen und ich frage mich ob das wohl sicher sei? „Die wissen doch was sie tun“, war die Antwort. „Von schweren Unfällen hört man hier aber auch regelmäßig“, ist meine Reaktion.

In der letzten Woche hörten wir von zwei jungen Menschen, die Selbstmord begangen haben. Ein Freund erzählte mir, dass er in ihrem Familien- und Freundeskreis 9 Menschen durch Selbstmord verloren habe. Mit jemand anderem kamen wir darüber ins Gespräch, dass sie mit 15 eine Fehlgeburt hatte und in den Jahren darauf 6 Abtreibungen folgten. Es sind Geschichten bei denen wir uns entscheiden können, entweder die Fakten trocken anzuhören oder der Trauer dieser Menschen Raum zu geben und Gottes Heilung und Vergebung darin zum Zug kommen zu sehen.

Die Frau, deren Familienmitglied in der letzten Woche Selbstmord begangen hatte, war am Sonntag zum ersten Mal im Gottesdienst. Sie ist Jesus begegnet, der ihr tiefen Frieden schenkte und ihre Rückenschmerzen heilte. Ist dann die Trauer weg, fragt man sich vielleicht? Nein. Sie hat aber erfahren was es bedeutet, bei Gott Zuflucht zu finden. Ich sehe immer mehr, dass Gott Gebrochenheit nicht einfach durch ein Fingerschnipsen wegnimmt. Er kommt mitten hinein ins Leid und füllt den Schmerz, den Verlust und die Trauer mit seinem Frieden und seiner Liebe. Das gibt Luft zum Atmen. Natürlich erwarte ich auch große Wunder, spontane Heilungen und Befreiungen. Wie „normal“ und angenehm ist aber auch der Umgang mit einem Gott, der mitfühlt und unseren Schmerz und unsere Trauer trägt. Jesus lebt (mit)!

Wir erfahren aber auch Lebensfreude. Im Juni erwarten wir ein Baby, meine Eltern kommen im März zu Besuch und heute Abend haben wir wieder Bibelschule. Wir genießen auch einfach unsere Ehe. Ja, das  darf auch mal gesagt werden. Wir lachen noch immer herzhaft miteinander und hoffen, dass das immer so bleibt :). Letzten Sonntag durften wir mit 16 Anderen zusammen Gottesdienst feiern und Gott begegnen. Und es haben sich dieses Jahr zwei Personen entschieden Jesus in ihr Leben einzuladen. Darüber will ich etwas mehr erzählen.

Anitse rief mich an, weil sie geben worden war in einem Haus beten zu kommen. Eine Freundin der Bewohner hatte einen Schatten in einer Ecke gesehen, der ihr Bein packte. Seitdem hat sie täglich Schmerzen in dem Bein. Eine komische Geschichte? Manche von uns tun solche Geschichten zu leichtfertig ab aber wohin kann sich dann jemand mit solchen Problemen wenden? In diesem Fall hatten die Bewohner schon probiert das Problem telefonisch durch einen „Heiler“ lösen zu lassen (das kostet auch noch Geld). Gut, wir sind dort hin gegangen. Ich konnte dem Ehepaar die Gute Nachricht erklären und es stellte sich heraus, dass die Dame sich damit schon auskannte (sie war Christin erfuhren wir). Ihr Mann hat daraufhin Jesus in sein Herz eingeladen und wir beteten für die beiden. In der vorangegangenen Woche hatte er einen schweren Autounfall, bei dem sein Rücken verletzt worden war. Auch dafür beteten wir und die Rückenschmerzen nahmen deutlich ab. Letzte Woche kamen die beiden dann zur Bibelschule und erzählten, dass der Rücken geheilt und Frieden in ihrem Haus eingekehrt sei. Es war Jesus der ihnen beiden Richtung gegeben hatte. Werden sie weiter im Glauben wachsen? Bittet betet mit uns für dieses Ehepaar.

Ich hatte auch gehofft diesen Monat etwas Neues über die Entwicklungen beim Kauf des großen gelben Hauses zu hören. Aber wir sitzen leider noch immer im Wartezimmer. Wir müssen abwarten, bis alle Dokumente in Nuuk vorbereitet sind. Bis das Missionshaus Wirklichkeit geworden ist machen wir einfach weiter, unterweisen die Menschen im Glauben und sähen Gottes Wort. Wir sehen schon erstes Wachstum. Die Ernte ist groß. Betet ihr mit uns dafür?

Nächsten Monat beginnt Katharina mit drei Frauen einen wöchentlichen Kurs, der dabei begleitet Verletzungen aus der Vergangenheit vor Gott zu bringen, sodass innere Heilung stattfinden kann. Der Kurs dauert drei Monate. Wir wollen auch damit beginnen regional eigene Sendungen im christlichen Radio auszusenden. Mehr darüber im nächsten Update :).

Zum Schluß noch ein Link zu einer 15 minütigen Dokumentation, die die Problematik in Tasiilaq treffend wiedergibt.

Warme Grüße,
Peter, Katharina und Joël